Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zu stürzen. Warum das so ist und was wir dagegen tun können, erklärt Doktor Martin Steinau vom Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS). Ein Interview.

Redaktion: Gut jede dritte Person über 65 Jahre stürzt mindestens einmal im Jahr – bei über 80-Jährigen sind es sogar noch mehr. Woran liegt das?

Dr. Martin Steinau: Das hat unterschiedliche Gründe. Da sind etwa die klassischen Stolperfallen im häuslichen Umfeld wie etwa lose herumliegende Kabel. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass unser Körper sich im Alter verändert und wir beispielsweise kleiner werden. So kann es passieren, dass der Morgenmantel, der sonst immer passte, plötzlich zu lang ist, beim Gehen über den Boden schleift und wir stolpern. Mit den Jahren sehen wir außerdem nicht mehr so gut, die Reaktionsfähigkeit und Gleichgewichtskontrolle unseres Innenohrs lassen  nach, wir verlieren an Muskelkraft und die Kapazität unserer schnellen Muskelfasern nimmt ab. Ein bewegungsarmer Lebensstil kann dies noch beschleunigen.

Warum Menschen im Alter kleiner werden

Beeinflusst wird unsere Körpergröße vor allem durch unsere Haltung. Das heißt, wer aufrecht sitzt und geht, ist in der Regel auch größer. Eine Hauptursache für das Kleinerwerden ist, dass der Flüssigkeitsgehalt im Körper ab dem 40. Lebensjahr abnimmt. Die Folge: Die Bandscheiben, die zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, werden dünner. Darüber hinaus lässt mit dem Alter die Spannkraft des Bandscheibengewebes nach, wodurch die Wirbelsäule an Länge verliert. Bei manchen Menschen ändert sich die Körpergröße dadurch nur um ein paar Millimeter, andere büßen mit den Jahren jedoch zwischen drei und vier Zentimeter ihrer Körpergröße ein. Ein Verlust von bis zu sechs Zentimetern oder mehr kann auf eine Osteoporose hindeuten. Ist die Wirbelsäule von der Krankheit betroffen, können die Wirbelkörper zusammensintern, also allmählich an Höhe verlieren und in sich zusammensacken. Besteht der Verdacht einer solchen Knochenstoffwechselstörung sollten Betroffene zum Arzt gehen.

Was sind „schnelle Fasern“?

Das sind spezielle Fasern, die einen Teil unserer Muskeln ausmachen und die uns dabei helfen, schnell Kraft zu entwickeln. Geraten wir beispielsweise beim Stehen auf einem Stuhl ins Wanken, ziehen sie sich blitzschnell zusammen und sorgen dafür, dass wir unser Gleichgewicht wiedererlangen. Mit den Jahren nimmt die Leistung dieser Muskelfasern jedoch ab. Das heißt, wir können uns in brenzligen Situationen nicht mehr so gut fangen. Bewegungsexperten nennen diese Muskelfasern auch die sogenannten fast twitch-Fasern, also „schnell zuckende Fasern“.

 

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